Grundwissen Fotografie

Als Belichtungszeit wird der Zeitraum bezeichnet, in dem der Sensor oder der Film dem Licht bei der Aufnahme ausgesetzt wird.

Mithilfe der Blende kann die Lichtmenge, die durch das Objektiv einfällt, gesteuert werden.

Der ISO-Wert beschreibt die Lichtempfindlichkeit der Kamera. Dieser Wert wurde in der analogen Fotografie mit dem verwendeten Filmmaterial festgelegt.

In der digitalen Fotografie kann dieser Wert von Bild zu Bild variiert werden. Hierbei sollten Sie sich jedoch über die Vor- und Nachteile von hohen bzw. niedrigen ISO-Werten im Klaren sein. Die folgende Tabelle zeigt den Zusammenhang zwischen den wesentlichen Parametern bei der Belichtungssteuerung. Sie verdeutlicht den direkten Zusammenhang von Blende, Belichtungszeit und ISO-Wert. Alle Belichtungszeiten im Kreuzungspunkt von ISO-Zahl und Blende ergeben bei gleich bleibender Beleuchtung eine gleiche Helligkeit im Foto.

Für die Bildhelligkeit ist es somit z. B. irrelevant ob ein Bild mit den
Einstellungen 1 (ISO/100, Blende 4, Belichtungszeit 1/250s)
oder mit den
Einstellungen 2 (ISO/400, Blende 16, Belichtungszeit 1/60s)
gemacht wird. Es können sich jedoch deutliche gestaltungstechnische Unterschiede in Bezug auf Schärfentiefe oder Bewegungsunschärfe ergeben. Auch ein sichtbarer Qualitätsunterschied in Bezug auf Bildrauschen ist bei höheren ISO-Werten möglich.

Blende2,845,6811162232
Belichtungszeit
400 ISO1/20001/10001/5001/2501/1251/60*1/301/15
200 ISO1/10001/5001/2501/1251/601/301/151/8
100 ISO1/5001/2501/1251/601/301/151/81/4

Achten Sie darauf, dass es sich bei den Belichtungszeiten um Brüche handelt (je größer die Zahl hinter dem Querstrich desto kleiner ist der Wert). Zudem ist zu beachten, dass häufig nur die Nenner d. h. die Werte unter dem Bruchstrich angegeben bzw. von der Kamera angezeigt werden.

Tipps für richtige Blende und Verschlusszeit

Auch wenn die heutigen DSLR – Automatikprogramme den Fotografen entlasten, so ist es oft doch sehr sinnvoll, noch einmal selbst zu entscheiden was Sache ist. Ihr dürft das Gefühl für die Zeit/Blende und Empfindlichkeit nicht verlieren. Ich möchte Euch hier eine kleine Hilfestellung geben, damit Ihr durch geschickten Einsatz von Blende, Verschlusszeit und Empfindlichkeit (ISO) Eure Aufnahmen gezielt verbessern könnt.

1.) M-Modus nutzen

So ausgereift die Automatiken der heutigen Kameramodelle auch sein mag, in schwierigen Lichtsituationen ist es am sinnvollsten in den manuellen M-Modus zu wechseln. Im Gegensatz zu den Automatikeinstellungen A und S stellt Ihr hier die Blende und die Verschlusszeit händisch ein. Der eingebaute Belichtungsmesser zeigt Euch genau ob das Bild über- oder unterbelichtet wird. Nehmt Euch dazu genug Zeit, wenn man immer nur mit Automatik fotografiert, dann dauert es ein bisschen bis man die nötige Sicherheit dafür bekommt.

2.) Histogramm richtig lesen

In Histogramm erkennt Ihr auf den ersten Blick ob das Bild richtig belichtet ist oder nicht. Das Histogramm zeigt Euch die Verteilung der Tonwerte von Schwarz und Weiß. Bei einem Standardmotiv befindet sich die Tonwertskala in der Mitte und fällt zum Rand hin leicht ab.

 3.) Richtige Verschlusszeit

Eine ausgeglichene Belichtung ergibt sich nur bei einem perfekten Zusammenspiel zwischen Blende und Verschlusszeit. Verändert man die Blende um einen ganzen Blendensprung nach unten (verkleinert man die Blendenöffnung) dann verdoppelt sich die Belichtungszeit, da sich die Lichtmenge halbiert.

Nehmen wir folgendes Beispiel:

Blenden/Zeitkombinationen
eine Blende geöffnet - doppelte Lichtmengef=4t=1/1000s
Gehen wir davon aus, dass dies unsere Normalbelichtung istf=5,6t=1/500s
eine Blende geschlossen - halbe Lichtmengef=8t=1/250s
eine weiter Blende geschlossen - wieder halbe Lichtmengef=11t=1/125s

4.) Sportfotografie

Bei der Sportfotografie bewegen sich die Motive sehr schnell, daher müssen wir die Bewegung im Bild einfrieren. Daher müssen Verschlusszeiten von 1/800s bis zu einer 1/4000s verwendet werden. Es kommt immer darauf an mit welcher Sportart Ihr es zu tun habt. diese Verschlusszeiten könnt Ihr nur erreichen, indem Ihr die Blende möglichst weit öffnet und den ISO Wert erhöht. Bei den heutigen Modellen sind ISO Werte um 1000 in der Regel kein Problem. Sinnvoll ist vorher sicherlich wenn Ihr eine Testaufnahme macht um das Bildrauschen zu beurteilen. Eines sei aber dazu gesagt – liebe ein Bildrauschen als unscharfe Bilder!

 5.) Dynamische Bilder – Mitziehen

Wenn Ihr Dynamik in die Bilder bringen wollt dann kommt Ihr um das “Mitziehen” nicht herum. Da kommt es nicht um ein gestochen scharfes Bilder an, hier geht es darum, die Dynamik der Bewegung einzufangen. Mit einer Verschlusszeit zwischen 1/60s und 1/30s sollte das bei bewegten Personen gut funktionieren. Ihr folgt dabei mit der Kamera dem bewegten Motiv. Ein stabiler Stand ist ganz wichtig, Ihr dreht dabei nur den Oberkörper. Eine Hand am Auslöser die andere stützt das Objektiv. Aufpassen damit Ihr die Kamera beim Auslösen nicht “reißt”, sonst gibt es eine noch zusätzliche Unschärfe. Die Technik verlangt Übung, die Ergebnisse sind dafür umso sehenswerter.

 6.) Verwischte Strukturen

Eine Landschaft einmal ganz anders. Mit der Schwenktechnik gelingen Euch abstrakte Ergebnisse, die einem gemalenem Kunstwerk sehr ähneln. Für einen gleichmäßigen Schwenk empfehle ich Euch ein Stativ. Auch diese Technik verlangt etwas Übung, aber die Ergebnisse sind schon etwas ganz besonderes. Ihr verwendet dabei eine sehr kleine Blende und eine Verschlusszeit um ca. 3 Sek. Wenn Ihr einen ND-Filter verwendet dann könnt Ihr mit noch längeren Verschlusszeiten experimentieren.

7.) Bewegtes Wasser

Es sind oft nur Kleinigkeiten die eine Bildwirkung völlig verändern. Wenn Ihr bei einem Wasserfall oder einem Gebirgsbach oder einfach bei einem Springbrunnen die Verschlusszeit verändert kann eine völlig andere Wirkung herauskommen. Ist es bei einer Verschlusszeit von 1/250s eine eingefrorene Aufnahme, so entwickelt das Bild bei einer 1/50s eine ganz andere Aussage und Dynamik.

8.) Nachtaufnahmen

Nachtaufnahmen haben eine ganz eigene Faszination. Die Bilder sind immer ein Hingucker und es lohnt sich diese Technik einmal auszuprobieren. Ihr benötigt zu der Technik ein Stativ damit die Kamera stabil steht, dann auch kleine Erschütterungen können verwackelte Bildergebnisse verursachen. Achtung bei Straßenbahnen, da kann ich ein Lied davon singen. Diese Vibrationen beim vorbeifahren der Straßenbahn verursachte bei meinen Aufnahmen unglaubliche Verwacklungen. Die Position konnte ich leider nicht wechseln, also war warten angesagt . Wählt bei Eurer Kamera den “M” manuellen Modus, eine Belichtungszeit von mindestens 15 Sekunden und eine möglichst kleine Blende (f/11). Aktiviert den Selbstauslöser und versichert Euch dass die Kamera stabil steht. Wenn ich bei Eurer Kamera eine Spiegelvorauslösung habt, dann verwendet die bitte. Denn auch das aufklappen des Spiegels kann zu Unschärfen führen. Noch gravierender tritt der Spiegelvibration bei Mittelformat Kameras in Kraft.

9.) Mit Licht malen

Diese Technik ist ein überaus witzige Technik – man weiß nie was hinterher raus kommt – Scherz, nein ganz so ist es nicht! Die Lichtmalerei ist eine ähnliche Technik wie die Nachtfotografie, mit dem Unterschied, dass Ihr noch eine Lichtquelle braucht. Dazu reicht eine einfache Taschenlampe oder der Display Eures Smart Phones. Stellt die Verschlusszeit auf ca. 30 Sekunden ein, löst den Selbt- oder Fernauslöser aus und malt in den 30 Sekunden mit Eurer Taschenlampe Schriftzüge oder Figuren in die Luft. In den 30 Sekunden ist der Spiegel hochgeklappt und es wird alles aufgezeichnet was Ihr mit der Taschenlampe in die Luft malt.

10.) Konturen gekonnt in Szene setzen
Bei der Technik geht es ein bisschen in die Studio Fotografie. Mit dem gezielten aufhellen oder abdunkeln können Körperkonturen bewusst betont werden. Das funktioniert bei Portraits genauso wie bei Produkten. Egal ob eckig oder rund. Bei der High-Key Technik gibt es eine bewusste Überbelichtung um 1 bis 2 EV, dadurch wirkt das Bild weich und duftig. Das Gegenteil dazu ist die Low-Key Technik, da bleiben die meisten Bildpartien dunkel. Dadurch wirken die Bilder geheimnisvoll, ja manchmal sogar bedrohlich. Für Low-Key empfiehlt sich ein dunkler Raum und eine kurze Verschlusszeit.